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Unter Druck!

20170527 - S 12° 58.906’ W 78° 11.440’ - M137

Die letzte CTD dieser Fahrt ging auf 5000m Tiefe. Mit dabei ein Tischtennisball und ein rohes Ei.
Die letzte CTD dieser Fahrt ging auf 5000m Tiefe. Mit dabei ein Tischtennisball und ein rohes Ei.

In 5000m Tiefe herrscht ein Druck von ungefähr 500 Bar, also etwa das 500fache des Luftdruckes an der Erdoberfläche. Die Dichte von Gasen, also auch die von Luft, erhöht sich unter diesen Bedingungen enorm. Bringt man einen mit Luft gefüllten Hohlkörper, beispielsweise einen Tischtennisball, in diese Wassertiefen, so wird er unweigerlich zusammengedrückt. Flüssigkeiten lassen sich dagegen durch mechanische Belastung (fast) nicht komprimieren. Ein rohes Hühnerei enthält in erster Linie Flüssigkeiten, allerdings enthält es auch eine kleine Kammer mit der Atemluft, die das Küken beim Durchstossen der Eihaut kurz vor dem Schlüpfen benötigt. Diese Luft wird unter Druck natürlich ebenfalls verdichtet. Das Ei müsste also ebenfalls beschädigt werden.

Das Ergebnis: Tischtennisball implodiert, Ei angeknackst...
Das Ergebnis: Tischtennisball implodiert, Ei angeknackst...

Aber die Eischale besteht hauptsächlich aus Kalk und könnte es nicht sein, dass durch feine Poren in der Schale Wasser in die Luftkammer eindringt und für den nötigen Druckausgleich sorgt? Und könnte es nicht ebenso sein, dass der aus Zelluloid bestehende Tischtennisball sich beim Auftauchen wieder zu seiner ursprünglichen Größe aufbläht? Wir wollten es wissen und zufällig ging die letzte CTD dieser Reise auf etwa 5000 m Wassertiefe. Ein Hühnerei und ein Tischtennisball, verpackt in einem kleinen Stoffbeutelchen, gingen mit auf die Reise. Reichlich drei Stunden - so lange brauchte die CTD bis zum Meeresboden und wieder zurück - konnte man spekulieren und sich die verrücktesten Szenarien ausdenken. Auch die Möglichkeit, dass aus dem Ei ein Pinguin schlüpfen würde, kam zur Diskussion. 

Schlauchbootbesatzung beim Ausbringen des Gliders. Das Boot verschwindet immer wieder in den Wellen. Vorn rechts sieht man die Flosse des Gliders.
Schlauchbootbesatzung beim Ausbringen des Gliders. Das Boot verschwindet immer wieder in den Wellen. Vorn rechts sieht man die Flosse des Gliders.

Der Wind hat gestern auf Bft 6 zugenommen. Trotzdem wurde ein Glider ausgesetzt, das Schlauchboot verschwand dabei immer wieder hinter den Wellenbergen. Aber es hat alles geklappt und bis morgen wird sich auch der Wind wieder beruhigen. Dann sollte die Aufnahme zweier weiterer Glider kein Problem sein. Alle anderen Stationsarbeiten sind inzwischen beendet. Das große Packen hat begonnen. Überall stehen Kisten herum. Bis Montag muss alles fertig sein. Dann nämlich endet unsere Reise in Callao. 

 

CR

Holbrige Rückkehr des Schlauchbootes. Der Glider ist unterwegs.
Holbrige Rückkehr des Schlauchbootes. Der Glider ist unterwegs.